Abschied.

31.12.2018

Ich tue mich mit den Weihnachtsfeiertagen und den Tagen zwischen den Jahren schon immer schwer. Dies gipfelt dann am Silvestertag mit einer von schlechtem Gewissen geplagten Stimmung. Das schlechte Gewissen kommt daher, dass ich mir in jedem Jahr für diese Tage zwischen den Jahren wahnsinnig viel vornehme, was ich natürlich niemals bewältigen kann. An Silvester beginnt dann die Unruhe und die unerledigten Listen drängen sich in meinen Kopf. In diesem Jahr hatte ich mir vorgenommen, all diese unerledigten Dinge, die das Studium betreffen, aufzuarbeiten. Hat nicht geklappt. Ich war faul und vollgefressen und müde. Und gehangovert. Verdammt.

Abschied ist natürlich in diesen Tagen ein großes Wort. Abschied vom alten Jahr in erster Linie. Aber auch der Abschied von nahestehenden Menschen ist präsent. Das Jahr 2018 war hochgradig beschissen. Das sagte ich auch schon über 2017, aber 2018 hat dem Ganzen eine neue Dimension verliehen. 2018 war quasi das Jahr der Abschiede, der Neuanfänge, der Rückschläge, des Neu- Orientierens und der Wut. Es hatte sicherlich aus einer anderen Perspektive betrachtet, auch schöne Momente, aber die Herausfordernden überlagerten dies.

In 2018 habe ich auf vielen Ebenen neu angefangen. Das war oft zermürbend und anstrengend. Aber ich habe es geschafft. Ich habe meine Kinder durch dieses beschissene Jahr begleitet, mich selbst zurückerobert und drei Leben neu sortiert. Natürlich schafft man dies nicht allein. Ich hatte die Hilfe der Großeltern, ohne die Fahrdienste, Gitarrenunterricht, Klavierunterricht, Früh - und Spätdienste, Präsenzphasen der Hochschule, Prüfungstermine und Klausurphasen unmöglich wären. Dafür bin ich dankbar. Auch wenn es oft nervig ist und mich anstrengt. Trotzdem könnte ich nicht in dieser Form arbeiten und studieren und Kinder erziehen, wie ich es tue. Oder wie ich es nicht tue.

Ich habe Statistik gerockt. 3,0!!! Wohoooo! 4,0 war das anvisierte Ziel. Solide, möchte man meinen. Ich weiß noch, wie ich mit zittrigen Händen auf die SMS des Dozenten wartete. Und auch, wie ich monatelang gelernt habe. Und geheult. Und weiter gelernt. Darauf sollte ich heute noch einmal trinken. Verdient!

Abschied. Verabschieden musste ich mich in diesem Jahr von meiner langjährigen Freundin. Heute erwischte ich mich dabei, wie ich ihr eine Nachricht schicken wollte. Ich war so wütend und so überfordert, als sie verstarb. Ich bin es auch noch heute um ganz ehrlich zu sein. Abschiede sind zum kotzen. Und dennoch lernen wir aus ihnen. Ob wir wollen oder nicht. Ich habe gelernt, etwas mehr auf mich zu achten. Achtsamer mit mir und meiner Gesundheit zu sein. Ja, ich rauche noch immer. Ich trinke auch hin und wieder. Und den schwarzen Kaffee kann ich auch nicht sein lassen. Aber das ist es auch nicht, was mich krank gemacht hat. Krank machte mich der massive psychische Stress. Diese Faktoren habe ich aus meinem Leben gestrichen. Heute geht es mir gut. Ich kann mich annehmen wie ich bin. Das konnte ich viele Jahre über nicht. Umso bedeutender, dass ich mich heute wieder leiden kann. Ich bin okeh mit mir.

Allerdings geschehen Abschiede auch des Öfteren schleichend. So erging es mir mit einer Freundin, mit welcher ich schon seit der Grundschulzeit befreundet war. Diese Freundschaft hatte zahlreiche Höhen und Tiefen. Tiefen die mich schon als Kind so verwundeten, dass es ein sehr langer und schmerzhafter Prozess war, diesen Menschen aus meinem Leben zu verbannen. 20 Jahre um genau zu sein. Intuitiv spürt man relativ schnell, und dass auch schon als Kind, wer einem Gutes möchte und wer nicht. Ich fühlte mich oft bevormundet und manipuliert, konnte dies aber zu keinem Zeitpunkt exakt erfassen. Der Fachbegriff für das, was diese Beziehung über Jahre beschreibt ist Gaslighting. Das mag auf den ersten Blick vielleicht sehr radikal klingen, ist aber exakt die Vorgehensweise, dieses Menschen um andere Menschen an sich zu binden. Ich verband mit dieser Freundschaft über viele Jahre eine romantische, kuhäugige Version meiner Kindheit und Jugend. Somit hatte ich eine sehr hohe Toleranz gegenüber den verletzenden Dingen die mir angetan wurden. Heute weiß ich all dies besser, bin bei mir und dankbar dafür, diesen Menschen nicht mehr in meinem Leben zu haben.

Dankbar bin ich außerdem für zwei überragende Frauen, die mein Leben um so vieles bereichern. Wir hatten ein gutes Jahr zusammen. Wir haben uns. Und das ist das was zählt. Gemeinsame Zeit und Liebe. Wir hatten wahnsinnig witzige Momente, überragende Konzerte, alles verändernde Neuigkeiten und beschissene Diagnosen.

Eines was 2018 zum wohl mit Abstand überflüssigsten Jahr machte, war eine Krankheit, die mir eine Freundin nahm, einen kleinen Jungen und seine Familie an unsagbare Grenzen trieb und einer weiteren Frau schwere Monaten bescherte. Ich wünsche dem kleinen Löwenjungen und seiner tapferen Mama einen ganzen Sack voller Glück und Gesundheit. Ich bewundere eure Stärke!!! #fuckcancer #cancerfighter

Dankbar bin ich weiterhin für meine beiden Kinder. Ich weiß, es ist nicht immer leicht mit mir. Mit euch aber auch nicht. <3

Wenn ich jetzt einen Wunsch frei hätte, dann würde ich mir wünschen, dass Dave Grohl mal hier klingelt und mich bittet seine Frau zu werden. Ich würd´s sofort tun.

Morgen mach ich meinen Studi - Kram. Ganz ehrlich.

J.

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